Mittwoch, 27. Oktober 2010
Freitag, 22. Oktober 2010
ICSI, Tag 11 nach der Punktion
Hab mir beim letzten Eintrag hier einen Freud'schen Verzähler geleistet, war nämlich erst Tag 8 nach der Punktion. Hat aber nicht geholfen, die Zeit vergeht einfach nicht schneller.
Dienstag, 19. Oktober 2010
Tag 9 n.d.P.
Freitag, 15. Oktober 2010
Untermieter auf Probe
Wenn ja, dann wird's ein Wunderkind ;-) Denn Murkeline ist damals aus einem Zellhäufchen in B-Qualität entstanden - und sie ist definitiv ein Kind von AAA-Qualität!
Mittwoch, 13. Oktober 2010
Morgens um acht
In der Kiwu-Klinik war Chaos, keine Ahnung, warum. Das Wartezimmer voller Paare, die auch auf die Punktion warteten, alle waren anscheinend brav schon um acht erschienen. Beim letzten Mal hatte es eine intelligente Terminvergabe gegegeben, alle nach und nach statt alle auf einmal. Gegen halb zehn wurden wir endlich in die Aufwachräume gepfercht, zwecks Umziehen und Weiterwarten. Gegen zehn hab ich dann mal, inzwischen schon sehr not amused, nachgefragt, ob sie uns denn vergessen hätten im Schrankzimmer, genannt Aufwachraum 2. Eine Minute später kam die Anästhesistin, erkannte mich wieder und stellte fest, dass meine Akte gar nicht da sei, ihre "eingehende Beratung", in der Rechnung mit 8,74 € zzgl. USt dotiert, dauerte 10 Sekunden, und dann durfte ich auf Socken rüberhuschen in den OP.
Kurz nach dem Aufwachen kam auch meine Zimmergenossin wieder zurück, zum Glück war Frau Plappertasche schnell wieder fit und ging, so dass ich noch etwas dösen konnte. Als mit die Schwester mitteilte, dass mein Abholkommando schon da sei, hab ich das Dösen dann doch etwas beschleunigt, um meine Freundin nicht unnötig lange warten zu lassen. Klappte aber nur bedingt, denn der Warteraum war inzwischen noch voller, normale Sprechstundenpatienten und alle Punktionsdamen, die noch auf ihr Auswertungsgespräch warteten...
Neun Eizellen hat der Aufwand gebracht.
Von denen es leider nur zwei geschafft haben, alle anderen haben sich nicht befruchten lassen. Vielleicht hätte man da doch angepasster stimulieren sollen und eventuell mit der Punktion noch einen Tag warten sollen (aber Dienstags wird ja nicht punktiert ...)
Wie auch immer, wenn die beiden überleben, dann dürfen sie morgen bei mir einziehen. Innerlich hab ich aber schon Abschied genommen - schließlich haben beim letzten Mal, als meine Eizellen und ich noch volle zwei Jahre jünger waren, sich auch nur 4 Embryonen aus 7 befruchteten Eizellen entwickelt.
Immerhin, eine kleine Hoffnung bleibt.
Freitag, 8. Oktober 2010
Es werde lauter
Noch fühle ich mich wie ein Fisch (eine Fischin??) vorm Laichen: die Eierstöcke voller kleiner Eier, das Ultraschallbild hätte auch eine Nahaufnahme einer Kaviardose von innen sein können. Auch an ICSIs gewöhnt man sich anscheinend. Ich bin dieses Mal viel entspannter als vor zwei Jahren bei Murkelines Entstehung. Kann daran liegen, dass ich gerade heftig erkältet bin und dachte, den Sinusitis-Heldentod sterben zu müssen, kann daran liegen, dass ich ja mit Murkeline auch durchaus ausgelastet bin. Jedenfalls lass ich locker, vertrau den Ärzten ohne Nachfragen.
Kiwu-Ärztin:
"Ihre Werte? - Sind in Ordnung." Da hätte ich früher aber nach Zahlen und Fakten verlangt.
Acoma:"Wie viele Follikel waren das denn jetzt insgesamt?"
Kiwu-Ärztin: "Genügend."
Und da hätte ich früher erst recht nach Zahlen gegiert. Wie viele, wie groß exakt? Sind es zu wenige, so dass vielleicht keine gute dabei ist? Sind es zu viele, so dass wieder eine Überstimulation in Sicht ist? Nö, sie hat gesagt, genügend, also sind's genügend.
So einfach kann man sich's machen. Und dabei kostet der ganze Spaß mehr, als ich mir guten Gewissens leisten kann, und noch ein Versuch ist definitiv nicht drin. Grund genug, panisch zu werden.
Montag, 22. September 2008
Siebte Woche, dritter Tag
Ohne Ausrufezeichen geht's heute nicht! Endlich fange ich an zu glauben, dass sich das Murkel bei mir wohlfühlt und brav wächst und gedeiht.
Winzige, gewaltige 3,6 Millimeter ist es groß und sein Herzchen schlägt, ganz schnell, ganz leicht, wie ein Flimmern.
Der einzige Wermutstropfen heute:
Meine Krankenkasse zickt, sie hat einen Brief an die Praxis geschrieben und fragt so allerlei nach, ob da ein Beschäftigungsverbot wegen Schwangerschaftsbeschwerden geplant sei. Ich war im letzten Monat einmal 6 Tage, einmal 7 Tage und jetzt noch mal 5 Tage krankgeschrieben. Das ist ja wohl noch kein Grund, mißtrauisch zu werden, zumal ich dazwischen ja immer mal ein paar Tage arbeiten war. Und erst recht kein Grund, sich aus der Pflicht zur Lohnfortzahlung auszuklinken. Obwohl es irgendwo mal ein krudes Beispielurteil zu dem Thema gab, wo Arbeitgeber und Krankenkasse meinten, frau habe ihre Krankheit (bei ihr war's auch OHSS) selbst verschuldet durch die IVF.
Hauptsache, die schicken ähnliche Briefchen nicht an meinen Arbeitgeber, das könnte fatal werden.
Sprechzeit hatte die Kasse natürlich nur bis 15.00 Uhr heute, so dass ich völlig umsonst wutentbrannt vor der schicken Glastür stand.
Mittwoch, 10. September 2008
Die Gesetzeslage zur Kinderwunschbehandlung
Das heißt nun noch lange nicht, dass Paare, die diese wunderbare Bedingung erfüllen, auch automatisch eine Kinderwunschbehandlung finanziert bekommen. Mitnichten. Sie dürfen weder zu jung (unter 25) noch zu alt (39 die Frau) sein. Dann haben sie die Chance auf drei von der Krankenkasse teilfinanzierte IVF-Versuche. 50% Zuzahlung bedeutet immer noch ca. 1500 EUR Eigentanteil pro IVF-Versuch, nicht gerade wenig für den Normalverdiener. Dazu kommen die Zuzahlungen für die Medikamente. Wenn man sich die Statistiken für die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft durch eine IVF anschaut, sind drei Versuche eine lächerlich geringe Anzahl.
Aber die Absurdität geht noch weiter, es gibt nämlich noch das Embryonenschutzgesetz, von den Juristen ESchG genannt. Eine schöne Sache, wir wollen ja Genmanipulationen verhindern. Aber: Wenn eine Frau durch eine sündhaft teure (egal ob eigen- oder kassenfinanziert) Behandlung befruchtungsfähige Eizellen produziert hat, diese entnommen und in vitro tatsächlich erfolgreich befruchtet wurden, dann dürfen maximal drei dieser Zellhäufchen sich weiterentwickeln. Wenn es ein Zellhäufchen bis Tag 3 geschafft hat, heißt das noch lange nicht, dass daraus ein lebensfähiger Embryo wird. Aber die Ärzte müssen an Tag 3 entscheiden, welche 3 diese Chance erhalten, der Rest wird eingefroren (und es stellt sich später beim Auftauen heraus, dass sich da nix mehr tut) oder muss verworfen werden. MUSS! Weil das Embryonenschutzgesetzt die Weiterkultivierung nicht gestattet - hier scheint, in Ergänzung zur christlichen Lehre und zum deutschen Arbeitsrecht, noch eine neue Definition von "Wann beginnt das Leben" zu existieren: Am 3. Tag.
Würde man mehr Embryonen sich entwickeln lassen (das Wiedereinsetzen der Embryonen ist zwischen Tag 1 und Tag 6 möglich, vielleicht sogar noch später theoretisch, keine Ahnung - meist erfolgt es an Tag 2 oder 3, im Ausland auch oft an Tag 5), dann ließe sich viel deutlicher sehen, welche Zellen sich weiterteilen und weiterentwickeln, und man könnte mit größerer Wahrscheinlichkeit gesunde, entwicklungsfähige Eizellen einpflanzen. Und damit enorm Kosten sparen und die Belastung für die Frau minimieren.
Man könnte.
Es gibt noch vieles, was man könnte. Vor allem sollte man anfangen, was zu tun. Der Verein "Aktion Kinderwunsch e.V." hat zum Beispiel gerade eine Aktion laufen, in der auf diese und andere Missstände bei den Regelungen zur Kinderwunschbehandlung hingewiesen wird. Man kann dort online einen Forderungskatalog unterschreiben. Oder den Forderungskatalog ausdrucken und per Post an diese Adresse schicken:
Aktion Kinderwunsch e.V.
Turmstraße 9
65611 Brechen
Und man kann ein großes Paket mit Puppen an den Verein schicken, die als Symbol für die ungeborenen Kinder in Deutschland am 30. September 2008 in Berlin dem Bundesgesundheitsministerium übergeben werden sollen. Und man kann den Flyer für die Aktion ausdrucken und verteilen.
Geneigte Leserinnen und Leser, denn man tau!
Dienstag, 9. September 2008
Bei Anruf schwanger
Schwanger! Ich! Nach 10 Jahren! Und nach 10 Runden sehr gezielter Unternehmungen im letzten Jahr! Und jetzt hat's tatsächlich gefunkt!
Noch kommt es mir vor wie ein Traum, unwirklich, unfassbar. Ich habe Angst, mich richtig zu freuen, nicht dass der Traum platzt ... Aber schließlich kann ja auch mal was gut gehen - vielleicht gab es langsam genug Katastrophen in meinem Leben, und jetzt geht es einfach mal gut. Und ich bin einfach mal schwanger. Und bleibe es auch noch ganze acht Monate lang. Das wär der Wahnsinn.
Ein Maikind.
Montag, 8. September 2008
ICSI, Tag 17 nach der Punktion
KiWuDoktorin war ja nett und hat eine Weile mit dem Ultraschallkopf rumfuhrwerkt. Aber bei theoretisch 4+3 kann man nun wirklich noch nichts sehen, und wir haben die Spekulationssono aufgegeben.
Das Warten auf eine einzige Zahl kann sehr aufregend sein. Ich möchte morgen so gern eine dreistellige Zahl hören - noch trau ich mich nicht, mich zu freuen.
Samstag, 6. September 2008
Der Krimi beginnt
Aber vom Ascites-Bauch abgesehen nicht das kleinste Schwangerschaftszeichen: keine Müdigkeit, kein Brustspannen, keine Verstopfung, keine Geruchsüberempfindlichkeit, nix. Hatte ich bei meiner ersten Schwangerschaft alles. Aber es bleibt ja nichts, wie es war, also muss das noch nichts heißen, und ich darf noch hoffen. Am Donnerstag (Tag 13 nach der Punktion) lag das HCG bei 89. Ich hab's sehr verhalten aufgenommen - kann ja scheinpositiv sein. Der Billig-Urintest heute (Tag 15) hat eindeutig überhaupt gar nichts angezeigt. Und die Schmerzen gefallen mir sowieso nicht.
Montag lasse ich den HCG-Wert das nächste Mal bestimmen. Dienstag erfahre ich ihn. Bis dahin: Ball flach halten.
Allem Aberglauben zum Trotz wollte ich heute eine Schwangerenhose im Laden an der Ecke kaufen, da ich mich eh zur Apotheke schleppen musste (endlich wieder Spritzen, juhu, zur Abwechslung diesmal zur Thromboseprophylaxe). Eigentlich hätte ich ja nach Ascites-Hosen fragen müssen. Hatten aber beides nicht. Und größere Entfernungen konnte ich nicht zurücklegen.
Zu Hause lagere ich im weiten Flower-Power-Schlamperkleid auf der Couch, den Weg zur Apotheke und zum Arzt hab ich in offener Jeans mit Kleidchen drüber absolviert, aber ich brauch was anzuziehen für die Arbeit. Schwangerschaftsgerüchte kann ich dort gerade gar nicht gebrauchen.
Wie tarnt man einen Bauch von 94 cm, sieht dabei elegant aus und vermittelt allen Hinter-dem-Rücken-Tuschelnden glaubhaft, dass das kein Babybauch ist?
"Ich hab da nur 'n bisschen Wasser im Bauch." - "Ja, ja, schon klar."
Freitag, 5. September 2008
Blöde Ideen
Blöde Idee, nach einer Woche wieder auf Schicht zu eilen, weil so viel zu tun und zu koordinieren ist, obwohl der Körper nach einem halben Tag anstrengender Arbeit sagt, dass ihm das nicht gefällt.
Tja, den ersten Arbeitstag hab ich halbwegs durchgestanden. Den zweiten mit deutlich mehr Mühe. Den dritten mit noch mehr Mühe. Die Nacht danach hab ich überlegt, den Notarzt zu rufen, hab mich aber dagegen entschieden, weil ich keine Ahnung hatte, wie ich die Treppe zum Hauseingang hinunter schaffen sollte, um die Tür aufzuschließen.
Die KiWuDoktorin fand es dann doch an der Zeit, mit dem Verharmlosen aufzuhören, und diagnostizierte offiziell ein Überstimulationssyndrom. Irgendwann werden dann wohl auch die Laborwerte da sein, um das mit Zahlen zu belegen. Freie Flüssigkeit im Bauchraum, vergrößerte Eierstöcke, Bauchumfang 92 cm. Erwähnte ich Fieber und Schmerzen schon? Schmerzarmes Laufen geht in Tippelschritten, erschütterungsfrei, mit nach vorn gebeugtem Oberkörper.
Und ich weiß nicht mal, worauf ich hoffen soll. Bei Eintritt einer Schwangerschaft werden die Symptome normalerweise durch das erhöhte körpereigene HCG noch stärker.
Sonntag, 31. August 2008
Kein Sport, keine Anstrengungen, kein Schwimmen, kein Rad fahren, keinen Sex
Ich habe mich die ganze Woche daran gehalten, auch ohne die Aufforderung, denn ich hätte gar keine Kraft dafür gehabt. Die Wanderung von der Couch zum Balkon war mir die ersten Tage Extremsport genug.
Inzwischen erholt sich der Körper langsam wieder und schaltet auf Normalbetrieb um, Bauch und Brust sind von Ballon- auf Normalgröße zurück, längere Spaziergänge und Treppen steigen sind ohne Schmerzen und Atemnot möglich.
Das sind alles Nebensächlichkeiten, Schmerz vergeht, ja. Und trotzdem finde ich es beachtlich, wie sich der Körper gegen einen Eingriff in seinen Regelkreis wehrt. Die technokratische KiWu-Klinik tut das ab und konzentriert sich auf den medizinischen Fortschritt. Ich hab so meine Bedenken. Die hatte ich vorher auch, und jetzt, hinterher, nachdem ich meine Bedenken auf den Prüfstein (und mich auf den OP-Tisch) gelegt habe, hab ich sie immer noch.
Die Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung durch IVF und ICSI sind ein wunderbarer Fortschritt. Aber wie bei jeder fortschrittlichen Methode muss verantwortungsvoll damit umgegangen werden.
Ehrfurchtsvoller.
Donnerstag, 28. August 2008
Tag 6 nach der Punktion
Der "offizielle" Test ist erst in acht Tagen. Aber das Andocken findet an Tag 5 bis 9 statt. Gestern war Tag 5, und ich glaube, dass die beiden Krümel ihre Entscheidung getroffen haben.
Und ich bin immer noch traurig wegen der anderen beiden. Wütend.
Die Schmerzen der letzten Tage sind weg, Blase und Eierstöcke spinnen nicht mehr rum, ich kann wieder aufrecht gehen und durchschlafen.
Frau Katze spricht wieder mit mir. Und das, obwohl ich sie gestern zum Tierarzt geschleppt habe, wo wir zwei Stunden im Wartezimmer mit ungefähr tausend nicht angeleinten, bellenden Riesenhunden mit tellergroßen Augen und entsprechenden Lefzen gewartet haben. Um die Impfung ist sie aber herumgekommen, weil ich nach zwei Stunden voller "Ich ruf Sie gleich rein", in denen viel Kaffeeklatsch der Arzthelferin und des Weges kommender Hundebesitzer stattfand, aber keine einzige Behandlung, Türen knallend die Praxis wieder verlassen habe. Zu Hause hab ich mich erschöpft aufs Bett fallen lassen und geheult.
"Eine IVF stellt eine erhebliche psychische Belastung für die betroffenen Paare dar".
Für Nicht-Paare auch!
Mittwoch, 27. August 2008
Frau Katze ist skeptisch
Ich bin verunsichert. Ist Frau Katze sauer, weil ich nicht auf die beiden „Verworfenen“ aufgepasst habe? Ist sie wütend, weil die beiden Falschen ausgewählt wurden und ich völlig nutzlose Krümel mit mir rumschleppe? Ist sie sauer, weil die beiden Richtigen ausgewählt wurden und sie weiß, dass sie meine Gunst in Zukunft mit den beiden Rangen teilen muss? Frau Katze hat in ihrer Jugend meine erste Schwangerschaft miterlebt und da hat sie sich kein bisschen so aufgeführt.
Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.
Montag, 25. August 2008
Verworfen
Aber ich bin traurig. Von den 14 entnommenen Eizellen sind 7 für die ICSI verwendet worden, 4 haben sich befruchten lassen (da war die Party im Brutschrank wohl etwas lahm ;-), ja, aber da ja nur zwei jetzt in mir sind und andocken sollen, wurden die anderen beiden „verworfen“. VERWORFEN! Verdammter Euphemismus! Geschlachtet, getötet, im Klo runtergespült … Aber solche garstigen Ausdrücke gebrauchen wir ja nicht, die Patientin soll ja entspannt bleiben. Ha! Welch Hybris zu entscheiden, welche beiden die Chance zur Weiterentwicklung bekommen und welche beiden vernichtet werden. Eine Entscheidung, die im Fließbandtakt in Kinderwunschkliniken getroffen wird, Routine. „Die sind für den Transfer, der Rest kann weg…“ Der „Rest“ war die Chance auf zwei Menschenleben. Den „Rest“ habe ich in meinem Körper produziert, habe dafür vier Wochen lang diverse Hormone geschluckt, inhaliert und gespritzt, Schmerzen ertragen und fast 4000 Euro hingeblättert, die ich noch viele Monate lang abarbeiten muss, nachts und an den Wochenenden.
Sonntag, 24. August 2008
Tag 2 nach der Punktion
ICSI, Tag 19
Wie auch immer, der Operateur behauptet, er hätte 14 Eizellen gepflückt. Ich muss ihm glauben, denn ich war ja komplett ausgeknockt durch die Vollnarkose. Die Narkose habe ich erstaunlicherweise sehr gut vertragen: Gerade noch nett geplaudert mit der Anästhesistin – und weg war ich. Nach dem Aufwachen fühlte sich erst mal alles gut an, dieses unangenehme Druckgefühl war endlich weg. Leider zieht und zwackt es inzwischen schon wieder recht, wenn ich größere Anstrengungen unternehme als den Weg zwischen Couch und Balkon zu überwinden. Ich versuche, nicht in Hypochondrie zu verfallen („was, wenn es doch noch ein Überstimulationssyndrom wird …“), sondern trinke brav und viel Tee und warte auf bessere Zeiten.
Und hoffe vor allem, dass im Brutschrank eine heiße Party tobt, dass meine 14 mit den 14 von Mister X so was von anbandeln, dass die Liaison ein ganzes Menschenleben lang dauert. Hoffentlich hat KiWu-Doktor mit den sozialen Defiziten entsprechend mehr Laborfähigkeiten und hat die richtigen Spermien ausgewählt.
Morgen erfahre ich, wie viele es bis zum dritten Tag geschafft haben. Und zwei von den Erfolgreichen lass ich mir einsetzen, die restlichen werden eingefroren.
Mittwoch, 20. August 2008
ICSI, Tag 15
Naja, Achtlinge brauchen Platz und Kraft.
Ich fühl mich wie ein wandelndes Anatomiebuch: Ganz genau weiß ich jetzt, wo meine Eierstöcke sich befinden.
Heute Nacht geht der Countdown los: Mit Ovitrelle wird der Eisprung ausgelöst, und dann sind es noch 36 Stunden bis zur Punktion.
Dienstag, 19. August 2008
Mal etwas konkreter: IVF und ICSI
http://de.wikipedia.org/wiki/In-vitro-Fertilisation
http://de.wikipedia.org/wiki/Intrazytoplasmatische_Spermieninjektion
Niemals wollte ich mir so etwas antun. Und bin jetzt seit vier Wochen mittendrin. Vier Wochen den Hormonhaushalt völlig umkrempeln, indem die Hypophyse erst mal lahm gelegt wird und die eigene Hormonproduktion gestoppt wird, um die für die Prozedur notwendigen Hormone statt dessen künstlich in der gewünschten Dosierung in den Körper zu bringen. Funktioniert natürlich nicht mit Hormonpflästerchen, sondern mit härteren Geschossen. Kostet natürlich auch was. Ich habe zum Beispiel bisher – unter anderem - 35 Ampullen Menogon verbraucht, von dem ein Fünferpack für knapp 200 Euro zu haben ist. Man kann auch den so genannten Re-Import kaufen, der kostet die Hälfte, ist aber nicht nach deutschem Reinheitsgebot gebraut (weil für den Export ins europäische Ausland produziert), und das merkt frau wohl, wenn sie sich so eine Ladung brennendes Zeugs in die Bauchdecke spritzt. Irgendwann fällt es schwer, Stellen zu finden, die nicht gerötet sind, die nicht weh tun, selbst wenn man vorher ordentlich Schokolade gefuttert hat, damit viel Oberflächenvolumen aufm Bauch vorhanden ist.
Und dann die Aufregung: Bringt das überhaupt was – also wachsen da ordentliche, gesunde, befruchtungsfähige Follikel heran? Oder bringt es zu viel – also gibt es ein so genanntes Überstimulationssyndrom, weil die gedopten Eierstöcke in Massenproduktion gehen und damit den gesamten Organismus in Gefahr bringen?
Die Downregulation hab ich hinter mir. Die Stimulation leider immer noch nicht. Werd mir also weiterhin Quaddeln in die Bauchdecke setzen müssen und mich dauernd von meinem Handy anpiepsen lassen, um dran zu denken, irgendwelche Sprays und Tabletten zu nehmen. Werd mir bald so ein neckisches Medikamentenköfferchen anschaffen, mit Schubfächern für Tag und
Uhrzeit ;-) Bei dem Aufwand, den man da so betreibt, muss es ja einfach klappen, finde ich eigentlich, wohl wissend, dass es überhaupt nicht klappen muss ...
An Tag 13 waren acht freundliche Follikel im Ultraschall zu sehen, aus den bisherigen Siebenlingen sind Achtlinge geworden, aber sie sind noch etwas lütt und deshalb haben wir die Punktion jetzt auf Freitag verschoben, damit die Kleinen noch weiter wachsen.
Noch mehr Zeit, um aufgeregt zu sein :-(
Noch mehr Spritzen :-(