Heute bekam ich eine Mail von einer Freundin, die sich nicht mehr bei mir gemeldet hat, seit sie von meinem positiven Test erfahren hatte. Sie gehört zu den wenigen Menschen, die meine Wege und Umwege zum Kind mit all den Aktivitäten, Aufs und Abs in den letzten anderthalb Jahren miterlebt hat, die nicht nur so grob eingeweiht war, sondern die die Geschichten im Detail kannte.
Sie selbst ist auch alleinstehend und hätte sehr gerne Kinder. Eine Zeitlang hat sie versucht, sich als Single diesen Wunsch zu erfüllen, hat nach Samenspendern gesucht, sich mit Kandidaten getroffen. Dann hat sie sich in ihren Samenspender verliebt. Also ging's da nicht weiter, denn er wollte wirklich nur Samen spenden. Dann hat sie sich wieder gerappelt, weiter gesucht, aber keinen vertrauenswürdigen neuen Kandidaten gefunden. Schließlich hat sie sich zu einem Entschluss durchgerungen, zu der Erkenntnis, dass der Weg, als Single Mutter zu werden, nicht ihr Weg ist, dass sie das Gesamtpaket braucht. Da war sie gerade 40 geworden. Und ein Mr. Right nicht in Sicht, trotz Partnerbörse und vieler Dates.
Also fing sie an, Abschied von ihrem Kinderwunsch zu nehmen, zu versuchen zu akzeptieren, dass es keine eigenen Kinder in ihrem Leben geben wird. Sie versuchte, sich in einem Patenschaftsprojekt zu engagieren.
Und die ganze Zeit über nahm sie Anteil an meinen Versuchen, machte mir Mut, bewunderte meine Ausdauer, meine Energie, immer wieder weiter zu machen. Und jetzt, wo mich ein positiver Test vorsichtig hoffen lässt, kann sie es nicht ertragen.
Ich verstehe sie. Ihr Abschied vom Kinderwunsch ist noch lange nicht endgültig.
Ich weiß noch, wie ich die ersten Jahre nach dem Tod meines Mannes und meiner Tochter jede Einladung zu Hochzeiten ausschlug, weil ich es einfach nicht ertragen konnte, glückliche Paare zu sehen, obwohl mein Umfeld meinte, ich hätte meine Trauer längst verarbeitet. Ich weiß noch, wie bitter es war, als um mich herum plötzlich alle schwanger wurden (ungeplant meistens). Ich weiß auch noch, wie schwierig es für Freundinnen war, mir zu erzählen, dass sie schwanger sind, weil sie wussten, wie weh mir das tun würde. Ich weiß noch, wie furchtbar es war, als auf einer Party der Film Trainspotting lief, für die anderen ein Kultfilm, für mich der Horror wegen der Szene, in der das Baby stirbt. Damals habe ich den anderen Unsensibilität vorgeworfen, heute sehe ich das gelassener - es war meine Trauer, und es war ihre Party, und ich hatte kein Abo auf Rücksichtnahme und Verständnis. Für mich stand die Welt still, aber für die anderen nicht. Das ist so.
Bei aller Empathie, bei allem Verständnis, keiner kann den Schmerz eines anderen wirklich verstehen oder mittragen. Mit manchen Dingen muss man allein fertig werden. Ich hoffe, dass sich K. irgendwann mit mir freuen kann. Dass die Bitterkeit nicht überhand nimmt.
Donnerstag, 18. September 2008
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2 Kommentare:
Ja leider ist es wirklich so - vieles kann man wirklich erst verstehen, wenn mal selber in einer ähnlichen Situation ist. Vielleicht braucht deine Freundin einfach ein bisschen Zeit.
Sicher. Und ich geb ihr alle Zeit der Welt!
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