Mittwoch, 17. September 2008

Der Fluch der modernen Technik

Früher, menschheitsgeschichtlich betrachtet vor dem Bruchteil einer Nanosekunde, also so vor 10, 20 Jahren hätte man in der 6. Schwangerschaftswoche mal so langsam registriert, dass die Menstruation sich ein bisschen verspätet. Dass man vielleicht demnächst mal zum Arzt gehen könnte. So viele Schwangerschaften verlaufen (verliefen) unbemerkt, weil ein "Abgang" in der 5. Woche gar nicht wahrgenommen wurde. Halt mal eine stärkere Blutung, kann vorkommen.

Heutzutage, zumindest bei halbwegs geplanten Schwangerschaften und erst erst bei Kinderwunschbehandlung, geht's ab dem 10. Tag los mit dem hysterischen Testen, so dass frau schon in der 4. Woche weiß, dass sie schwanger ist. Zu einem Zeitpunkt, wo noch ganz viel schief gehen kann. Wochenlang kann sie sich jetzt verrückt machen: "Wird es gut gehen?" Und dem kann man sich nicht entziehen.

Ich bin jetzt in der 6. Woche. Im Ultraschall war eine runde Fruchthöhle zu sehen. Surfen im Internet bringt einen zu der Erkenntnis, dass die Fruchthöhle statt wie bei mir siebeneinhalb Millimeter schon einen Zentimeter groß sein müsste. Dass man schon den Dottersack und den Embryo erkennen müsste. Da war aber nix. In den einschlägigen Foren liest man von Windeiern, leeren Fruchthöhlen, Eileiterschwangerschaften, bei denen sich trotzdem eine (leere) Fruchthöhle im Uterus bildet, von frühen Fehlgeburten, Ausschabungen und und und ... So schön und nützlich die unbeschränkte Kommunikation übers Netz ist, sie kann einen auch wahnsinnig machen, paranoid.

Früher gab's den ersten Ultraschall in der 9. Woche. Da sieht man nun wirklich den Embryo, sieht das Herz schlagen. Heute mach ich mich verrückt, möchte am liebsten jeden Tag schauen und testen und nachmessen und mit den Normwerten vergleichen. Wider besseres Wissen, denn durch jede Abweichung von den Normwerten lass ich mich ja verunsichern, oh, es wächst nicht richtig, es entwickelt sich nicht ...
Klar muss ich damit rechnen, dass es in den nächsten Wochen noch (schon) schief geht. Der Volksmund spricht von 20%. Ergibt immerhin eine Chance von 80%, dass es gut geht.

Montag geh ich das nächste Mal zum Ultraschall. Dann werde ich Anfang der siebten Woche sein. Und hoffe, meine kleine Kaulquappe auf dem Bildschirm sehen zu können. Sonst werd ich wohl zum Maschinenstürmer ;-)

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Oooohhh daran kann ich mich auch noch gut erinnern... Das ich damals nicht vor lauter Aufregung einen Herzinfarkt bekommen habe, ist mir bis heute ein Rätsel. Der hohe Blutdruck in der Anfangsschwangerschaft belegt diese Aufregung aber noch ganz gut.

Ich wünsche dir und Pünktchen alles Gute!

Anonym hat gesagt…

Nicht verrückt machen lassen - ich weiß das sagt sich so leicht - ich hab damals auch alles verglichen und geschaut wegen Norm und so. Bei mir war auch nicht immer alles in der Norm - aber wir wollen doch nicht alle ein Normbaby haben oder? POSITIV denken - das wird gut gehen und du wirst im Mai ein süsses kleines Baby haben. Meine Daumen sind jedenfalls gedrückt.