Mittwoch, 15. Juli 2009

Quantensprünge - Eine Zwischenbilanz

Heute wird Murkeline acht Wochen alt, und aus dem süßen, zarten Neugeborenen ist schon ein richtiges Baby mit großem Kopf und Speckröllchen an Armen und Beinen geworden. Jeden Tag wandern einige Bodys in die "Zu-klein"-Kiste und bald wird wohl auch die Wiege zu eng werden für den Bewegungsdrang meiner großen Kleinen.
Acht Wochen Wochenbett waren eine ereignisreiche Zeit. Für uns Alte ist das Tempo, in dem sich die Kinderchen entwickeln, schon atemberaubend.
Phase eins war die Schreiphase: jeden Abend waren so etwa fünf Stunden Schreien angesagt, und ich fürchtete schon, mir da ein Schreikind heranzuzüchten. Die Schreiattacken gehen an die Substanz, vor allem, wenn man selbst noch (wie ich zu dem Zeitpunkt) alles andere als fit ist nach der Entbindung und der Brüterei. Man fühlt sich so hilflos, wenn es keinen erkennbaren Grund für die Schreierei gibt und demzufolge auch keine Gegenmittel (Zuwendung oder In-Ruhe-lassen, mehr stillen oder weniger stillen, öfter oder seltener windeln, wärmer oder dünner anziehen, fest einpucken und frei strampeln lassen, Stille oder Musik, herumtragen oder ins Bettchen legen, spielen, vorsingen, oder was ..?)
Zum Glück war die Schreiphase irgendwann vorbei, mit einem überlappenden Übergang in die Speiphase: komplette Stillmahlzeiten in hohem Bogen wieder ausgespieen, gerne auch mal eine Stunde nach der Mahlzeit, wenn man nicht mehr damit rechnet, und, schwupps, landet ein Schwall angesäuerte, halbverdaute Milch auf Teppich, Sofa, Bett und/oder in der Nähe befindlichen Personen. Auch eine schöne Beschäftigung: Kind und sich selbst komplett umziehen, Teppich / Sofa etc. schrubben, Klamotten und Bettwäsche waschen. Und überall präventiv Handtücher und Windeln als Speischutz auslegen - nur damit das Kind dann doch woanders hin spuckt ... Hebamme und Kinderarzt meinten lakonisch: "Speikind - Gedeihkind" und sie hatten mit dieser abgedroschenen Volksweisheit tatsächlich Recht. Murkeline wächst und gedeiht, dass es nur so eine Freude ist, und sie hat auch während ihrer Speiphase kräftig zugelegt. Bei der U 3 wog sie 4240 Gramm und war 56 cm groß, das waren in den fünf Wochen seit der Krankenhausentlassung 1100 Gramm und 5 cm mehr! Inzwischen wird sie wohl schon über fünf Kilo wiegen, und wenn ich sie nachts schlaftrunken zum "Bäuerchen" hochnehme, da wiegt sie gefühlte 20 Kilo.
Das Speien hat sich dann gegeben, jedenfalls das schwallartige, das viele Spucken ist geblieben. Ohne Lätzchen und mehrmals täglich nassgespuckte Klamotten wechseln geht's nicht.
Nach der Speiphase kam die Kackphase, nein, eigentlich war die parallel und dauert auch noch an: Murkeline nimmt keine Rücksicht auf das Fassungsvermögen herkömmlicher Windeln. Was sie so produziert, sprengt jede Dimension und durchdringt alle Schutzschichten: Windel, Überhose, Body, Strampler, Schlafsack, Unterlegwindel / Handtuch. Obwohl ich einen riesigen Vorrat an Babywäsche habe, musste die Waschmaschine jeden Tag rattern, und im Bad steht ständig eine Schüssel mit eingeweichten Sachen. Wenn dann noch, wie letztes Wochenende, Durchfall hinzukommt, ist garantiert keine Langeweile angesagt. Gut, dass ich mich nun doch für Vollzeitmutterschaft entschieden habe und nicht noch nebenher arbeite.
Dann gab es noch die Frierphase: in den ersten Wochen hatte Murkeline, obwohl "überreif" geboren, ihren Wärmehaushalt überhaupt noch nicht im Griff, so dass ich sie trotz sommerlicher Temperaturen immer ziemlich warm einmummeln musste mit mehreren Schichten, mit Pullover und Jacke und Decke. Ganz plötzlich kam dann irgendwann, so um die 6. Woche herum, der Übergang, und jetzt kann ich sie in Sommerkleidchen und kurzem Body herumkutschieren und muss noch schauen, dass sie nicht überhitzt ist.
Eine Vielschlafphase haben wir übersprungen: Murkeline hat von Anfang an recht wenig geschlafen. Anfangs war ihr da am Tag wohl langweilig (aber schlafen kam trotzdem nicht in die Tüte ...), jetzt ist es schon interessanter, auf der Spielwiese zu liegen und bunte Dinge anzustaunen oder auf der Kinderwippe in der Küche der Mama bei der Hausarbeit zuzusehen. Und vor allem zu strampeln und sich auf die Seite zu drehen und mit den Armen zu rudern, das macht müde, so dass mein Kind endlich auch tagsüber ab und an schläft und dadurch nicht mehr so knatschig ist.

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