Mittwoch, 4. März 2009

Treffen mit dem Samenspender

Gibt es einen Kindsvater?
Nein, gibt es nicht. Die Stelle des sozialen Vaters ist noch frei.
Es gibt einen Samenspender, einen Mann, der sich - aus welcher Motivation heraus auch immer - zur Verfügung stellt, sein Sperma spendet. Bei einer ICSI kann frau, je nachdem, wo sie die künstliche Befruchtung durchführen lässt, auf Samenbanken zurückgreifen oder sich selbst einen Spender suchen, entweder im privaten Umfeld oder über Annonce oder einschlägige Internetportale. Ich habe mit der Samenbankvariante angefangen und habe mich nach einiger Zeit aus Kostengründen nach privaten Spendern umgesehen. Eine mühsame Suche, viel Spreu, wenig Weizen. Es hat ein Dreivierteljahr gedauert, bis ich "meinen" Spender gefunden hatte. Es braucht gegenseitige Sympathie bei notwendiger Distanz und eine Riesenportion gegenseitigen Vertrauens.
Beim vierten Versuch, den ich mit ihm unternommen habe, ist mein Kind entstanden. Nachdem ich nun tatsächlich schon drei Viertel der Schwangerschaft geschafft habe und mein Kind jetzt schon relativ gute Überlebenschancen hätte, hab ich mich vor ein paar Tagen noch einmal mit dem Spender getroffen, um mir ein bisschen aus seiner Familiengeschichte erzählen zu lassen. Schließlich möchte ich meinem Kind nicht nur Märchen erzählen, wenn es nach seinem Erzeuger zu fragen beginnt. Wenn es alt genug ist, wird es seinen Erzeuger einmal kennen lernen dürfen, das haben wir so vereinbart. Aber bis dahin vergehen noch etliche Jahre voller Fragen und Unsicherheiten für das Kind. In denen ich in der Verantwortung bin, meinem Kind offen und altersgerecht zu vermitteln, dass es ein absolutes Wunschkind ist und dass es nur durch eine Samenspende entstehen konnte.
Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass ein Samenspender zustimmt, etwas über sich und seine Familie preiszugeben. Schließlich betreibt er "anonyme" Samenspende, ohne Rechte, aber auch ohne Verpflichtungen dem Kind gegenüber.

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