Freitag, 28. Dezember 2007

Worum gehts hier überhaupt?

Egoismus?

Ein Kinderwunsch ist immer egoistisch, heißt es, weil man sich das Kind für sich wünscht.

Aber wünscht man sich nicht auch Gesundheit - für sich, Freude - für sich, Geborgenheit - für sich, Leben - für sich?
Der Wunsch, Kinder haben zu wollen, ist nicht egoistischer als der Wunsch zu leben.
Einige Psychologen nennen das gesunden Egoismus.

In der öffentlichen Meinung in Deutschland wird besonders der Kinderwunsch von Singles oder von homosexuellen Paaren oft egoistisch genannt. Gleichzeitig wird die geringe Geburtenzahl lauthals bejammert.

Da stimmt was nicht - und wenn's der Blickwinkel ist.

Manchmal mangelt es einfach nur an Informationen. Dagegen kann man etwas tun - zum Beispiel schreiben, zum Beispiel ein Weblog.


Ein Kind zeugen

Die einfachste Sache der Welt? Nur theoretisch. Und spontan klappt es meist nur bei denen, die gar nicht unbedingt, und wenn schon, dann nicht unbedingt jetzt, ein Kind wollen. Wenn man's aber will, dann heißt es basteln ...
Damit beginnt der oftmals lange Weg von Paaren mit Kinderwunsch.
Aber es gibt viele Frauen, die keinen Mann an ihrer Seite haben - weil sie getrennt oder geschieden oder verwitwet sind. Frauen, die einen Mann zur Gründung einer Familie suchen und feststellen mussten, dass der schlichte Satz "Ich möchte ein Kind" bei den meisten Männern von Ende Dreißig, Anfang Vierzig Panikattacken und Fluchtreflexe auslöst. Frauen, die seit Jahren von dem Mann an ihrer Seite ein vages "Jaja, später mal, klar" hören und plötzlich begreifen müssen, dass später mal ein Synonym für nie oder für nicht mir dir ist. Frauen, die irgendwann endlich aufwachen und begreifen, dass sie nicht länger auf ein Wunder warten können, sondern dass etwas passieren muss, wenn sie nicht völlig auf Kinder in ihrem Leben verzichten wollen. Denn auch in unserer modernen Welt bleiben Frauen nur bis zu einem bestimmten Alter gebärfähig. Die biologische Uhr tickt laut bei den Enddreißigerinnen, und einzelne Sensationsmeldungen wie jüngst die von einer 64-jährigen Gebärenden sollten niemanden darüber hinwegtäuschen, dass die Fruchtbarkeit der Frau ab 35 rapide absinkt und dass spätestens mit Mitte 40 der allerletzte Zug abgefahren ist.

Wie zeugt frau nun ein Kind ohne Mann, wenn sie nicht gerade die Jungfrau Maria ist?
Sie hat vier Möglichkeiten, und keine davon ist optimal.

Sie kann:
1. sich pünktlich zum Eisprung in voller Kriegsmontur ins Nachtleben stürzen und sich einen lonely cowboy für einen One-Night-Stand angeln
(Dagegen spricht: HIV-Ansteckungsgefahr, das Risiko beim Spiel mit dem Unbekannten überhaupt - zudem gibt's keine Garantie, dass der Cowboy zeugungsfähig ist)

2. sich pünktlich zum Eisprung einen Rückfall mit dem Exmann / Exfreund / Exlover erlauben
(Dagegen spricht: Es gab ja Gründe für die Trennung. Eine untergeschobene Schwangerschaft macht die Situation nicht einfacher.)

3. sich Sperma eines Samenspenders von einer Samenbank kaufen und sich damit selbst inseminieren oder sich von einem Arzt bzw. in einer Klinik inseminieren lassen
(Dagegen spricht: Sehr teuer. In Deutschland für Singles illegal. Frau muss also ins Ausland fahren.)

4. sich im Bekanntenkreis, per Annonce oder über einschlägige Internetforen einen Samenspender suchen und mit ihm per "Bechermethode" oder "natürlicher Methode" (ja, so wird das da genannt) ein Kind zeugen
(Dagegen spricht: Auch hier das Risiko, ob der Spender tatsächlich gesund und zeugungsfähig ist.)

Jede dieser vier Möglichkeiten hat noch einige Varianten in den Details.

Ich kenne etliche Frauen, die diese Möglichkeiten alle erwogen haben, ich selbst gehöre dazu.
Und ich kenne etliche Frauen, die nach langem Nachdenken, Abwägen, Zweifeln und Diskutieren einen Entschluss gefasst haben und eine oder mehrere dieser Möglichkeiten ausprobiert haben.

Von diesen Erfahrungen will ich hier berichten.



Oder adoptieren?

Natürlich kann frau auch zum Kind kommen, ohne es selbst gebären zu müssen. So viele Kinder auf der Welt müssen ohne Eltern, ohne Familie, ohne Beistand aufwachsen - und doch ist es sehr schwierig, ein Kind zu adoptieren, ihm also Eltern, Familie und Beistand zu geben.
In Deutschland ist Adoption für Singles zwar nicht verboten, aber es gibt so viele kinderlose Ehepaare, die auf den Wartelisten stehen, dass Singles in der Praxis keine Chance haben. Deshalb können allein stehende Frauen in Deutschland heutzutage (genau wie gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, denn die zählen in der Adoptionsfachsprache auch als "Singles") nur aus dem Ausland adoptieren. Dazu gibt es Vermittlungsagenturen, die bei den Verhandlungen mit den Behörden in diversen Ländern der Welt behilflich sind. Das kostet Geld (zwischen 10 und 20 Tausend Euro) und Zeit (so ein bis drei Jahre). Und Nerven natürlich, denn da müssen Sozialberichte angefertigt werden, die Gesundheit und die Psyche überprüft, die Wohnung auf Kindstauglichkeit untersucht, der Lebenswandel und das Bankkonto für geeignet zum Aufziehen eines Kindes befunden werden.
Wer das durchsteht, wird nach ca. zwei Jahren sich um ein Kind kümmern dürfen, das - in den meisten Fällen - ein schweres Schicksal im Gepäck hat. Schulschwierigkeiten, Aufmerksamkeitsdefizit, Therapien, Auffälligkeiten sind auf der Tagesordnung. All das ist den adoptierenden, zukünftigen allein erziehenden Müttern bewusst. Sie haben sich das mehr als reiflich überlegt, ob sie das wollen und können. Und sich entschieden.
Und dann müssen sie sich von "wohlmeinenden" Nachbarn / Kollegen / Bekannten Fragen gefallen lassen wie: "Na, hast du dir das wirklich überlegt?" oder "Du, ein Kind, das ist kein Spielzeug."
Mir gefällt der Kommentar von Hermine dazu: "Ach." (ohne die Loriot-Nudel im Mund, aber im gleichen Tonfall)

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