Vor meiner ersten Schwangerschaft dachte ich naiven Sinnes: Schwanger sein ist toll, man hat ein Dreivierteljahr keine Menstruationsbeschwerden und kann dieses Blut- und Tampongetue vergessen, und dann bekommt man einen netten Bauch, auf dem man die Kaffetasse abstellen kann.
Ha, das mit Bauch und Kaffeetasse hat funktioniert, theoretisch, denn leider musste ich immer liegen, als der Bauch groß genug dafür war, und im Liegen mit Dauerkopfschmerz is nix mit gemütlichem Kaffeegenuss. Und sonst auch wenig Tolles, andauernd Blutungen, und in der Stillzeit dann erst recht, weil die gaanz verträgliche Minipille nicht die beabsichtigte Wirkung zeigte …
Der Mensch ist ja nun wirklich kein perfektes Wesen, und doch braucht er ewig, bis er allein lebensfähig ist. Erst über neun Monate Tragezeit, und dann noch mal drei Jahre, bis das mit dem Laufen, Essen und Ausscheiden halbwegs ohne Rundumbetreuung klappt.
Als ich jetzt schwanger wurde, bekam ich des Öfteren zu hören: „Ich wünsch dir eine schöne Kugelzeit!“ Das war lieb gemeint, aber ich seh wenig Schönes an dieser Zeit. Schwanger sein ist verdammt anstrengend. Erst ist man ständig SEHR müde, erschöpft, kurzatmig, man wird geruchsempfindlich wie ein Spürhund und von der Hälfte der rezipierten Gerüche wird einem übel, wenn man zwei Stunden nichts gegessen hat, wird einem auch übel, wenn man eine größere Portion gegessen hat, auch.
Dann wächst der Bauch, der Rücken schmerzt, die Blase drückt, die Beine und Hände lagern Wasser ein, die Krampfadern krampfen und das Zahnfleisch blutet, man kann nicht liegen und nicht sitzen und nicht weit gehen, man muss viel trinken, darf aber nicht viel heben (Wann werden Saft-Pipelines in den dritten Stock erfunden?) und noch so allerlei Wehwehchen, die weh tun und unangenehm sind und nerven. Und doch reden alle immer von der entspannenden und beglückenden Zeit der Schwangerschaft. Vielleicht sind viele ja tatsächlich relativ schmerzunempfindlich. Aber oft habe ich auch den Verdacht, dass viele meinen, man müsse das Schwangersein toll finden, man dürfe nicht sagen, dass man erschöpft und genervt ist vom Brüten, man müsse seine positiven mütterlichen Gefühle demonstrieren, indem man Schmerz und Anstrengung verleugnet. Das eine schließt das andere nicht aus, finde ich.
Natürlich gibt es auch wunderbare Momente in der Schwangerschaft. Die unvorstellbare Vorstellung, dass da ein neues Wesen, ein kleines Wunderwerk in einem heranwächst. Der erste Herzschlag und die ersten Zappeleien im Ultraschall sehen. Die ersten Herztöne hören. Die Fingerchen und all die winzigen perfekten Details zum ersten Mal sehen. Das Strampeln im Bauch, das kleine Füßchen, das man durch die Bauchdecke fast greifen kann.
Aber das sind Momente. Von denen man zehren muss, um die restliche Brütezeit geduldig zu überstehen. Ein halbes Jahr muss ich noch durchhalten. Und übermorgen gibt es nach langer Abstinenz endlich mal wieder eine Videokonferenz mit dem Murkel.
Dienstag, 4. November 2008
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1 Kommentar:
Hallöchen - schade dass du deine Schwangerschaft nicht so genießen kannst. Also ich muss sagen ich hab es genossen und mir ging es gut - außer das Sodbrennen am Schluß und dass ich am Schluß nicht mehr schlafen konnte.
Aber meinem Rücken ging es in der Zeit so gut wie schon Jahre vorher nicht mehr.
Wünsch dir weiterhin alles Gute.
Gruß
Renate
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